Abteilung Holztechnik

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Presseberichte P1

Gegen den Zeitgeist

dds Veröffentlichung vom Juni 2011
Mit Ruhemöbeln der Beschleunigungsgesellschaft für kurze Zeit entkommen: Ergebnisse einer Entwurfsaufgabe für Meister- und Technikerschüler an der Fachschule Holztechnik Detmold aus dem Jahr 2010.

Bänke, Gartenlokale und Cafés laden jetzt die Menschen zum tolerierten Müßiggang ein. Eine Entwurfsaufgabe aus dem Jahr 2010 an der Fachschule Holztechnik Detmold für Meister- und Technikerschüler überträgt das Thema auf Möbel, die Oasenmitten im Alltag schaffen... Eine solche Projektarbeit beginnt im zweiten Semester unterrichtsbegleitend im Fach Produktentwicklung und wird fächerübergreifend von allen Dozenten betreut. Sie endet mit einer zweiwöchigen Projektphase nach etwa einem halben Jahr. Zu einem gesellschaftlich relevanten Thema wird im handlungsorientierten Unterricht ein marktfähiges Möbel entworfen, das als Prototyp unter möglichst betriebsnahen Bedingungen in der Schule gefertigt und abschließend öffentlich präsentiert wird. Dieses Projekt hat einen vorbereitenden Charakter für ein folgendes, dann aber in Kooperation mit einem Unternehmen zu bearbeitendes Projekt und letztlich für die Entwurfsaufgabe im Rahmen der Meisterprüfung am Ende des vierten Semesters. Es wird auch von Technikern absolviert, die nicht die Meisterprüfung anstreben.

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Gestandene Rede



Filigran und offen: Das Rednerpult mit dem Namen „El Pulpito“ (spanisch = das Pult) wurde von der Gruppe Katharina Küper, Britta Kleine und Viktor Wall als Gestellkonstruktion für eine öffentliche Schule konzipiert

Liebevoll gestaltete wurden die Mikrofonanschlüsse mit Abdeckung für das Pult „Bertelsmann Club“

Für den Kunden „Bertelsmann Club“ musste der Entwurf sich an der vorhandenen Einrichtung der sogenannten Lounge am Hauptsitz in Berlin anpassen. Dort stehen Tische und lange Bänke aus Eiche mit massiven Stollen (80 x 80 mm), die hier am Rednerpult auch eingesetzt wurden
Das Pult war etwa seit dem frühen Mittelalter meistens für kirchliche Zwecke im Gebrauch. In den Kirchen diente es vor den Chorstühlen und an den Plätzen der Geistlichen zum Auflegen der liturgischen Andachtsbücher. Bekannt war auch das transportable Pult zum Vorlesen der Evangelien. Grund genug, das Pult als Thema einer Projektarbeit an der Fachschule für Holztechnik, Detmold, auszuschreiben.

 

Es gibt Situationen, in denen es erforderlich ist, Informationen oder Botschaften in freier Rede und stehend zu vermitteln. In § 33 der Geschäftsordnung des Bundestages heißt es: „Die Redner sprechen grundsätzlich in freiem Vortrag …“ Fakt ist allerdings, dass nur ein geringer Teil der Politiker frei spricht, was 1999 zu einer parteiübergreifenden Initiative führte, welche die freie Rede stärken sollte. Dass es im Bundestag nicht an einem Rednerpult an zentraler Stelle mangelt, ist allgemein bekannt. Andere Gründe werden hier eine Rolle spielen.

Aber stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Saal, in dem schon 200 Personen auf Sie warten. Sie wollen oder müssen vor Kollegen einen Vortrag halten. Sie haben Ihre Notizen in der Hand, gehen auf die Bühne und vor Ihnen steht kein Rednerpult – nichts, wo Sie die Notizen ablegen könnten, nichts, woran Sie sich festhalten können, und auch nichts, was Sie vor neugierigen Blicken schützt.

Ein Rednerpult gibt Sicherheit – bietet die Chance, die erste Unsicherheit zu überwinden. Sie haben etwas vor sich, dass Ihnen eindeutig einen Platz zuweist und der gerade entdeckte Fleck auf der Hose oder dem Sakko wird vorübergehend unsichtbar. Sie haben etwas, wo Sie die Hände zwischenzeitlich ruhen lassen können – das gibt Sicherheit. Ein Mikrofon ist gut positioniert und trägt Ihre zu Beginn etwas leise Stimme auch in die hinteren Reihen. Ihre Unterlagen können in angemessener Höhe abgelegt werden und liefern Ihnen von Zeit zu Zeit – mehr oder weniger unauffällig – die nötigen Stichworte für Ihre Botschaft.
Ein gut gestaltetes Pult hilft, in die vielleicht ungewohnte Rolle des Redners hinein zu wachsen. Damit wird deutlich, wie wichtig ein Möbel sein kann – als Unterstützung für die freie „gestandene Rede“.
Unter dieser Prämisse wurden an der Fachschule Holztechnik Detmold mehrere Rednerpulte für unterschiedlichste Anforderungsprofile entworfen und gefertigt. Dabei wurden die Prototypen dieses Meisterprojektes im Auftrag verschiedenster Endkunden wie Städte, Hotels, Vereine, Unternehmen sowie Schulen oder Banken für ihre Präsentationszwecke gestaltet. Und so erhielt dieses Projekt mit den realen Auftraggebern einen wichtigen Praxisbezug.

Die Pulte mussten verschiedenste Anforderungen erfüllen, wie sicht- oder unsichtbare Höhenverstellungen, Anschlüsse für Mikrofon und Leselampe, mobile, zerlegbare Varianten, solche mit Städtewappen und Firmenlogos oder mit konkreten Materialvorgaben, die sich aus der Inneneinrichtung der Vortragsräume ergaben.
Mit Begeisterung begannen die Studierenden mit verschiedensten Ideen und Entwürfen, diskutierten miteinander und jede Gruppe einigte sich auf ein Entwurfskonzept. Gemeinschaftlich wurde so ein Rednerpult entwickelt, das den Anforderungen der Kunden entsprach. Akribisch erfolgte dann die Arbeitsvorbereitung, Materialbeschaffung und die Fertigung, die mit der Oberflächenbehandlung abschloss.
Zum Abschluss wurde die Pulte – in Kooperation mit der IHK Lippe – zwei Monate der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Präsident der IHK, Dr. Hannes Frank, stellte im Rahmen seiner Rede zur Ausstellungseröffnung den Zusammenhang zwischen Kommunikation und den Rednerpulten der angehenden Holztechniker und Tischlermeister mit schlichten Worten her: Trotz aller Vielfalt im Multimediabereich bleibe die freie, gestandene Rede an einem gut gestalteten Rednerpult für die Übermittlung von Informationen unerlässlich. (Michael Eckert)

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